Metropolensymphonie

Ankommen war nicht so einfach, wie gehofft.

Der Flug fühlte sich angenehm kurz an. Wenn man bedenkt, dass ich schon über zehn Stunden durch Deutschland getrampt bin, dann sind sieben einhalb Stunden, um den Kontinent zu wechseln ein Witz.

Der Aufregung geschuldet hatte ich in der Nacht zuvor nicht viel geschlafen, auf dem Flug selbst blieb Schlaf auch aus.

So war ich ganz schön müde, als ich ankam. Die Abwicklung des Visums (die Dame tackerte mir ganz feinfühlig eine DinA4 Seite in den Ausweis) fühlte sich schrecklich stressig an, war rückblickend aber eigentlich unproblematisch.

Nun gut, der erste Tag war emotional eine Chatastrophe. Um halb neun, ich war also um die 24 Stunden wach, fielen mir dann im Hostel Auberge Bishop (sehr gemütlich!) die Augen zu.

Und so habe ich mich heute ausgeruht und wieder stabiler in den Großstadtjungle gewagt.

Abgefahren!

Was ein Puls, was eine riesige, vielseitige, laute, volle, hippe Stadt! Ich fühle mich winzig, aber nicht verloren.

Ich gehe zu Fuß, in die Altstadt, durch Chinatown, in das Viertel Plateau Mont Real. Letzteres gefällt mir am besten, was daran liegen mag, dass es mit seinem dem europäischen ähnlichen Flair mein Hirn nicht ganz so fordert. Die Annehmlichkeit des Bekannten. Hier suche ich nach französischen Boulangeries, die es zu Hauf geben und die mit ihren Croissants konkurrieren sollen. Ich finde nur drei, die mir alle nicht die Schuhe ausziehen. (Sagt man das so?) Der Blätterteigfächer schmeckt allerdings auch hervorragend.

Immer wieder werde ich gefragt, ob ich Hilfe bräuchte, wenn ich mit meinem Stadtplan an einer Kreuzung stehen bleibe, um mich zu orientieren.

Irgendwo zwischen all dem stehen diese Schaukeln. Und sie klingen. Harmonien zwischen Autos und Passanten. Zwei ältere Herren und ich schaukeln eine ganze Weile zusammen und freuen uns gemeinsam über die verbindende Schönheit dieser Installation. Und auf der Schaukel sitzend fühle ich zum ersten Mal wieder Leichtigkeit. Dankbarkeit und Freude darüber, dass ich hier bin.

In Montreal, in Kanada! Wir irre!!!