das Brennen der Stille

Das Jahr ist mittlerweile einige Wochen alt und mein letzter Eintrag bereits einige Monate her.
Ich bin ein wenig rum gekommen. War für eine kurze, aber sehr schöne Woche in einem buddhistischen Zetrum am Rade der Mecklenburgischen Seenplatte, aß in einem zauberhaften, kleinen, französischen Café Marzipan- und Kürbiskuchen (ich habe mir zwei Stücke gegönnt, weil es so gut geschmeckt hat), traf Freunde in Halle und Naumburg und folgte dann dem Ruf eine Bäckermeisters nach Rosenheim.

 

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Mir scheint dieser Raum, klein und unwirklich still, beleuchtet nur von einer nackten Birne unter der Decke, das Herz der Nacht zu sein. Wie eine fluoreszierende Seifenblase, in sich geschlossen, isoliert, existiert er und verlangt von mir, dass ich ihn mit mir fülle.
Eine Liebende, die bei jedem Kunden, der im Laufe des Tages den Laden betritt, den Blick hebt, in der irren Hoffnung, es könnte ihr Leben sein, dass dort herein spaziert kommt.
An manchen Abenden, wenn zu der Ruhe der mich umgebenden Wände auch noch das nächtliche Innehalten der Stadt hinzu kommt, dann versiegt die Kraftquelle und da ist der Wunsch, dass jemand anderes die Liebe aufrecht erhält. Aber ich weiß: das bin ich. 
Das zu wissen, macht mich frei. Frei von Erwartungen.
Ich wurde gefragt, ob ich mich manchmal einsam fühle. Damals habe ich verneint. Und auch jetzt würde ich dieses Gefühl nicht als die schmerzliche Empfindung von Einsamkeit beschreiben. Viel mehr die Bewusstwerdung der Anstrengung um die innere Haltung, für deren Aufrechterhaltung einzig ich verantwortlich bin. Verlasse dich auf Einsamkeit.
In mir die große Sehnsucht nach der Stille der Natur. Nicht die gespenstische Stille der kleinen Wohnung. Die mir, zugegeben, mittlerweile unangenehm geworden ist. Ich brauche den Klang des Atems dieser Welt. Ohne ihn werde ich unruhig. Um ihn zu vernehmen muss ich jedoch erst selbst ganz ruhig werden. Mögen Weisheit und Mitgefühl dich leiten.
Lass uns hinaus gehen, die Schuhe fest geschnürt, Regencape, Zelt und Campinkocher gut verpackt. Den Blick gen Horizont gerichtet. Lass und hinus gehen, in die Stille der Natur. Lass uns Seite an Seite Einsamkeit erfahren. Es ist Zeit.
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Der Ruf dieses Meisters hat mich in eine tolle, innovative Backstube am Rande des Karwendelsteins, am Rande Deutschlands geführt. Hier bei Wolter in Rosenheim habe ich erneut Feuer gefangen. Feuer für meinen Beruf, für eine ausgeklügelte Vorteigführung, für außergewöhnliche Gährmethoden, für gute Rohstoffe und eine zukunftsweisende Freundlichkeit.
Mein Plan nach Kanada zu reisen, konkretisiert sich: ich bin allem Anschein nach mittlerweile befugt schon mal ein zu reisen. Ob ich auch arbeiten darf, habe ich noch nicht ganz verstanden.
In mir ist etwas in Bewegung geraten. Immer wieder denke ich: es ist Zeit. Die Dinge jetzt zu tun.