Eis kochen

Es ist schon eine Weile her, dass meine Mutter das zu mir gesagt hat, aber sie meinte: Carla, ich glaube Du bist gerade immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort.
Recht hat sie.
Mit einem Freund war ich wandern. Zwei Wochen sind wir durch Hessen und den Westerwald gelaufen. An Flüssen und ihren Quellen entlang, durch Dörfer und Städte. Haben die sengende Hitze manchen Nachmittages im kühlen Schatten der Bäume verbracht. Du hast mir gezeigt, wie man Forellen fängt, ich habe mich das erste Mal mit einer Angel geübt und Dir erklärt, warum die Metaebene so wichtig ist.
Und dann, als wir da in diesem Flusstal waren, der Duft des gemähten und in der Sonne getrockneten Heus alles erfüllte, da kam in mir die Sehnsucht auf, endlich mal wieder zu meinen Freunden nach Bayern zu fahren.
Als es dann nach drei innigen Wochen Abschied zu nehmen galt entschied ich spontan nach Oberbayern zu fahren. Um dort Eis machen zu lernen. In einer kleinen, netten Eisdiele. Franzetti, direkt an der Hauptstraße hier in Holzkirchen.
Das habe ich jetzt die vergangenen zwei Wochen gemacht. Eis gekocht. Zu Beginn war ich ein wenig irritiert, dass es „Eis kochen“ heißt, schnell begriff ich, warum. Die meisten der Zutaten werden in irgendeiner Form erhitzt, bevor sie in die große Eismaschine gefüllt und zu cremigen, köstlichen Eis gefroren werden.
Die letzte Woche bin ich am Morgen immer zu einem Freund gefahren, habe ihm im Stall mit seinen Kühen geholfen und am Nachmittag habe ich Eis gemacht.
Und wie es der Zufall so will ist der Konditormeister Teilnehmer der Gelato Wolrd Tour und wird Anfang Juli nach Berlin fahren. In dieser Zeit soll ich dann das Eis machen.
Irgendwann kam mir die Idee, dass ich ja die Vertretung machen könnte. Das Eiskochen ging mir ganz gut von der Hand. Und mein Vorschlag wurde angenommen. Das hat mich so geehrt und gefreut. Jetzt reise ich die nächsten zwei Wochen ein wenig, treffe ein paar Freunde wieder und komme dann wieder her. Um selbstständig Eis zu kochen. Und meine Freunde noch ein mal zu sehen.
Da ich ja eigentlich dachte heute würde vorerst mein letzter Tag hier sein, hatte ich einige Freunde zum Mittagessen eingeladen.
Es gab kalte Gurkensuppe mit Minze, Zitronen-Mangold, Halloumi, Mango-Chilli-Dip, Rotebete-Meerrettich-Dip und Suesskartoffelpommes. Zum Nachtisch Fondant au Chocolat mit Dattelcreme.
Im Zuge der Vorbereitungen haben meine Freundin und ich festgestellt, wie sehr uns die gemeinsame, kreative Zubereitung solcher Köstlichkeiten eint und erfreut. Wir haben uns jetzt verabredet in der nächsten Zeit ein paar solcher Anlässe zu schaffen, um gemeinsam zu schöpfen. Aus dem Vollen, aus dem Topf, aus dem Leben.